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THORAXSCHMERZ
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Als
Tho
rax
bzw.
Bru
stkorb
bezeichnet man den oberen Teil des Rumpfes (zwischen Hals u.
Bauch)
einschließlich der darin sich befindenden Organe (Lunge,
Herz usw.). |
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Das Symptom
(=
Krankheitszeichen) "Thoraxschmerz"
kann verschiedene Bereiche betreffen:
1.
den oberen Teil des
Rumpfes (zwischen Hals u.
Bauch),
der eigentliche Th
orax
(=
Brus
tkorb),
einschließlich der darin sich befindenden Organe (Lunge, Herz usw.)
2.
die Tho
rax(vorder)wand
(im Gegensatz zum
Rücken)
(z.B. (Gürtelrose,
Interkostalneuralgie,
BWS-Syndrom,
Tietze-Syndrom)
3.
die eigentliche B
rust als Organ (Ma
mma) (Mastodynie
bzw.
Mastalgie,
Cyriax-Syndrom)
Ein chronischer
Thoraxschmerz im Rahmen einer Herzaffektion, z.B.
der
Angina pectoris, ist kein schmerztherapeutisches Thema, da
dieser kausal
(= auf die Ursache
gerichtet) behandelt
werden muß, also durch den Kardiologen.
Schmerztherapeutisch bedeutsam
ist dagegen der Thoraxschmerz beim
Morbus Tietze. Diesem
liegen Störungen im Bereich der oberen sternokostalen Übergänge
(= Übergänge vom
Brus
tbein
zu den Rip
pen)
zugrunde, hervorgerufen durch synchondrosennahe
(= nahe am
Knorpelgelenk gelegene)
Überlastungs- oder Ermüdungs(mikro)brüche, nicht selten nach einer
Thorakotomie
(= operative Eröffnung des Brustraumes).
In der Regel geben die Patienten einen einseitigen, unspezifischen
Thoraxschmerz an, überwiegend links, der bei
Beschwerdezunahme auch in den linken Ar
m ausstrahlen und dann
Herzbeschwerden vortäuschen kann. In vielen Fällen bestand bei
Patienten mit einem
Tietze-Syndrom
deshalb in der Vorgeschichte schon häufiger der Verdacht auf
Herzinfarkt. Bei rechtsseitiger Beschwerdelokalisation kann es auch
zu einer Schmerzausstrahlung in den rechten (Ober-)
Arm
kommen.
Vegetative Begleiterscheinungen, wie beschleunigter Puls und
Hitzegefühl sind nicht selten und der Schmerzcharakter ist oft
brennend oder glühend, also ganz im Sinne einer
Sympathalgie
(=
Schmerzen,
ausgehend vom vegetativen
Nerven
system)
bzw. eines
Quadrantensyndrom
s (= vegetative Schmerzen im Bereich eines Körperviertels).
Beim
Quadrantensyndrom
folgt die Schmerzausbreitung nicht der segmentaler Ordnung der
Nerven
sondern mehr dem Verlauf eines größeren Blutgefäßes.
Nicht selten klagen die Patienten neben einem
Thoraxschmerz auch über
Brustbeinschmerzen
(Sternalgie),
z.T. über in den gleichseitigen Halsbereich aufsteigende
Beschwerden.
Bei der Untersuchung sind beim
Tietze Syndrom
die schmerzseitigen Rippenansätze am B
rustbein deutlich druckschmerzhaft und erscheinen aufgetrieben. Bei
stärkerem Druck kann häufig der vom Patient geschilderte
Thoraxschmerz
ausgelöst bzw. deutlich verstärkt werden.
Die Behandlung des
Thoraxschmerz
es
bei Mor
bus Tie
tze ist einfach und überwiegend
erfolgreich:
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika)
( z.B.
Bupivacain 0,5%) in Form von wiederholten Infiltrationen (z.B. 2
mal täglich über 10 Tage) der schmerzhaften Rippenansätze am B
rustbein (evtl. auch mit
Kortikoidzusatz).
Zur Vermeidung einer folgenschweren Verletzung des Mediastinums
(=
Mittelfellraum, unter dem
Brus
tbein
gelegen) empfiehlt es
sich, die Kanüle
(= Spritzennadel)
nicht senkrecht zur Haut einzustechen, sondern stets in einem Winkel
von ca. 45 Grad.
Wohltuend empfindet der (schlanke) Patient auch das Auftragen einer
anästhesierenden
(= betäubenden)
Salbe, z.B. EMLA® oder ASS in Äther gelöst.Auch kann eine
Iontophorese
(= Einbringen eines
Medikaments durch die Haut mit Hilfe eines elektrischen Stroms)
mit z.B.
Diclofenac hilfreich sein.
In hartnäckigen Fällen muß die beschriebene therapeutische
Lokalanästhesie konsequent 2 mal täglich (auch am Wochenende)
durchgeführt werden, was i.d.R. allerdings nur unter stationären
Bedingungen durchführbar ist.
Als nächst höhere Therapiestufe kommt dann die wiederholte Blockade
des
Ganglion stellatum
(= eine
Schaltstelle des unwillkürlichen Nervensystems im seitlichen
Halsbereich) in Frage.
Vorübergehend ist auch die Verordnung eines tri- oder
tetrazyklischen
Antidepressivum
s (= Mittel
zur Behandlung einer Depression)
zur
Schmerzdistanzierung sinnvoll, ebenso (vorsichtige)
gymnastische Übungsbehandlungen zur Verbesserung der Thoraxmobilität
(=
Beweglichkeit des knöchernen Brustkorbs).
Ebenfalls schmerztherapeutisch
bedeutsam ist ein (chronischer)
Thoraxschmerz im Bereich der B
rustkorbwand.
Die sog.
Interkostalneuralgie beschreibt ziehende, gürtelförmige Schmerz
en entlang einem oder
mehreren Zwischenrippenräumen mit typischen Druckpunkten
paravertebral
(= neben der Wirbelsäule), in der Axillarlinie
(= von der Achselhöhle abwärts)
und paramedian vorn
(= neben der
Mittellinie vorne).
Betroffen sind die sog. Zwischenrippennerven (Nn. intercostales).
·
Häufige Ursachen:
degenerative
(=
abnutzungsbedingte)
Veränderung der
Wirbelsäule
mit Kompression
(= Einengung)
der
Nervenwurzel
n,
Zustand nach Thora
kotomie
(= operative
Eröffnung des Brustkor
bs, evtl.
mit Rippenentfernung), in
diesem Falle spricht man von einem sog.
Postthorakotomiesyndrom.
Mehr über die
Interkostalneuralgie erfahren Sie
hier.
Auch die
Gürtelrose
geht (oft) mit einem Thoraxschmerz einher.
Die Gürtel
rose (Herpes
zoster) ist eine neurodermale
(=
Nerv
en
und Haut betreffende)
Infektionskrankheit. Der Erreger ist der Her
pes-Varizellen-Virus. Als
Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu
den bekannten Windpocken, an sich eine harmlose Kinderkrankheit.
Leider hat das Virus die Eigenschaft, über Jahrzehnte in bestimmten
Bereichen des Nervensystems zu überleben, ohne daß Krankheitszeichen
vorhanden sind. Kommt es aber zu einer Schwächung des Immunsystems,
so wird das Virus reaktiviert und erreicht über sensible
Nervenbahnen die Haut und es entsteht der
Herpes zoster.
Die
Gürtelrose
(der
Herpes zoster)
befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren
Brustwirbelsäule,
seltener den
Gesicht
s- bzw.
Kopf
bereich (Gesichtsrose)
(Herpes
zoster ophthalmicus,
Herpes zoster
oticus).
Mehr über diese
Schmerzerkrankung
erfahren Sie hier:
http://www.guertelrose.co.uk
(einfach anklicken).
Als Thoraxschmerz
wird öfters auch ein Schmerz in der (weiblichen) B
rust (Ma
mma) bezeichnet, die sog.
Mastalgie.
Diese geht häufig mit einer Schwellung einher. Die häufigste Ursache
ist eine En
tzündung der Brustdrüse
(Mastitis).
Dieser Thoraxschmerz tritt auch im Rahmen des sog.
prämenstruellen Syndroms
(=
Krankheitszeichen vor der Regel)
auf, begleitet dann von Dysmenorrhö
(= schmerzhafte
Regel),
Kopfschmerzen,
Völlegefühl, seelische Verstimmung, evtl. Ödembildung
(= krankhafte
Flüssigkeitsansammlung),
Exazerbierung
(= neuerliche
Verschlimmerung) einer
Migräne oder ganz selten auch Epilepsie
(= Fallsucht).
Als Ursache wird eine hormonale und neurovegetativer Dysfunktion
(= das vegetative, unwillkürliche Nervensystem betreffende
Fehlfunktion) vermutet.
Ganz selten kann auch beim Mann ein Thoraxschmerz
(Mastalg
ie) auftreten und zwar im
Rahmen einer sog. Gynäkomastie. Dabei kommt es zu einer meist
beidseitigen Hypertrophie
(= Größenzunahme eines Gewebes oder Organs nur durch Zellvergrößerung)
des Brustdrüsenkörpers.
Zugrunde liegt meist eine endokrine
(= die Hormondrüsen betreffende)
Erkrankung, manchmal auch infolge
eines hormonaktiven Tumors.
Die Behandlung erfolgt primär
fachspezifisch (Frauenarzt, Endokrinologe).
Es kommt aber vor, daß trotz
einer kausalen
(= auf die Ursache
gerichteten) Behandlung
dieser Thoraxschmerz weiter anhält und so Anlaß zu einer
Schmerztherapie geben kann, vor allem wenn
Schmerzmittel nur ungenügend wirken.
Zur
speziellen Schmerztherapie eignen sich wiederholte
Interkostalblockaden
(= Betäubung der
Zwischenrippennerven) mit
einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel. In hartnäckigen
Fällen kann die Blockadefrequenz durch Implantation eines Katheters
so erhöht werden, daß eine kontinuierliche
Blockade zustande kommt.
Bei der sog.
kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner
Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner
ven eingepflanzt. Die
Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es
muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über
diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der
vorangegangenen Dosis, das
örtliche
Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt.
In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen
Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe
angeschlossen werden.
Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche
Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß
bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind, woraus
eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert und damit
verschiedenen Schmerzursachen, insbesondere entzündlichen (z.B.
Thoraxschmerz bei chronischer
Mastitis), entgegenwirkt.
Beim akuten
(= plötzlich
einsetzenden, heftigen)
Cyr iax Syndrom besteht ein atmungssynchron
(= atmungsabhängig)
verstärkter
Brus twand
schmerz in der vorderen Axillarlinie
(= senkrechte Linie durch die vordere Achselfalte).
Dieser entsteht meist durch
eine indirekte Brustkor
bverletzung, so z.B. durch abnorme Streckbewegung oder auch starkes
Husten, wodurch sich die Rippenknorpel VIII-18
(= 8-10)
aus ihren Bandverbindungen lösen und auf die Pleura sowie die beteiligten
Interkostalnerven drücken.
Bei der Untersuchung findet sich ein Druckschmerz über den
Enden der RippenVIII-X
(= 8-10), evtl.
auch mit einer tast- und evtl. sogar hörbarer Dislokation
(= Verlagerung).
Zur
Schmerztherapie eignen sich
seriellen Blockaden der beteiligten Interkostalnerven mit einem lang
wirkenden
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel),
evtl. sogar
kontinuierlich mit Katheter.
Wenn ein
chronischer Thoraxschmerz längerfristig
besteht, so ist davon auszugehen, daß bereits ein
Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung)
vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche)
Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich
psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Die Methoden der modernen
Schmerztherapie
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Aktualisiert:>26.07.2008</>
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